Janine und Yannik

Wolfsburger mit Behinderung stehen noch vor vielen Hürden (von Stephanie Giesecke-WN)

Wolfsburg.  Kein Aufzug am Schloss, Hindernisse auf dem Wolfsburger Weihnachtsmarkt – und die Toiletten! Bis zur Barrierefreiheit ist es ein weiter Weg.

Der Toilettengang ist ein Thema, über das die meisten Menschen ungern sprechen, erst recht in der Öffentlichkeit. Yannik Spyra spricht darüber. Denn der 31-Jährige weiß, dass einige Wolfsburger in dieser Angelegenheit echte Probleme haben, wenn sie in der Stadt unterwegs sind.

Im Allerpark gibt es keine öffentliche Toilette, die barrierefrei wäre. In den Toilettenräumen im Hauptbahnhof herrscht Enge, den Gang verstellt nicht selten ein Putzwagen. Ein ganz aktuelles Beispiel ist der Weihnachtsmarkt. Hierzu hat der Behindertenbeirat, dessen stellvertretenden Vorsitz Spyra seit anderthalb Jahren innehält, gerade Kontakt mit den Veranstaltern aufgenommen.

Wolfsburger Behindertenbeirat kritisiert ungeeignete Toiletten

Weil in den Toilettenwagen, der normalerweise für die Weihnachtsmarktbesucher aufgestellt wird, Rollstuhlfahrer wie Spyra nicht hineinkommen. Und weil die öffentliche Toilette an der City-Galerie nicht beheizt ist. „Das ist schwierig für Menschen, die sich vielleicht etwas mehr ausziehen müssen und sich wenig bewegen“, sagt Spyra. Kein Luxusproblem: Im Dezember ist man schonmal völlig durchgefroren, wenn man aus dem Häuschen wieder herauskommt.

Der Behindertenbeirat befasst sich natürlich nicht nur mit Toiletten. Auf dem Weihnachtsmarkt etwa hat er noch ein Problem ausgemacht: Wie auf vielen Märkten stellen die auf dem Pflaster verlegten Kabelkanäle Hindernisse dar, an denen schon Eltern mit Kinderwagen ihre Schwierigkeiten haben. „Ich komme an kaum eine Bude direkt dran“, verdeutlicht Spyra. „Es gibt ganz tolle Lösungen, um das flach zu machen.“

Oft scheitert Barrierefreiheit nicht an grundsätzlichem Unwillen, sondern am Geld

Eine Bushaltestelle an einem Bürgersteig, der zu schmal für die Rampe ist, eine behindertengerechte Toilette hinter einem zu schmalen Zugang, das Schloss Fallersleben, das trotz Drängen immer noch keinen Aufzug hat: Der Behindertenbeirat sieht in Wolfsburg noch einige Baustellen.

Werden diese Dinge angesprochen, hat Spyra fast nie das Gefühl, auf Widerstand oder grundsätzliche Ablehnung zu stoßen. „Aber viel ist mit Geld verbunden, das sich nicht herbeizaubern lässt“, sagt er. Und: Man muss es eben erst ansprechen. „Oft sind Leuten bestimmte Umstände oder Bedürfnisse nicht bewusst. Das merkt man überall.“

Große rollstuhlgerechte Wohnungen sind in Wolfsburg Mangelware

Der Informatiker selbst wandte sich einst wegen eines unerfüllten Bedürfnisses an den Behindertenbeirat: Er suchte eine rollstuhlgerechte Drei-Zimmer-Wohnung und fand keine. Das Gremium war gerne bereit, sich des Themas anzunehmen, bat Spyra aber mitzumachen. So geschah es.

Obwohl in den vergangenen Jahren in Wolfsburg vermehrt barrierefrei gebaut wird, mangelt es an rollstuhlgerechten Wohnungen. „Manchmal sucht eine Familie eine rollstuhlgerechte Fünf-Zimmer-Wohnung“, sagt Spyra. „Das werden Sie auf dem Markt nicht finden.“ Doch es gibt Fortschritte. Eine Immobilienfirma, die auf dem Laagberg bauen möchte, kam von sich aus auf den Behindertenbeirat zu und fragte, was gebraucht wird. Die Planungen laufen.

Das Motto: Nicht unterkriegen lassen!

Spyras eigene Wohnungssuche ist mit einem mittelprächtigen Ergebnis ausgegangen: „Das, was ich wirklich gesucht habe, habe ich nicht gefunden.“ Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen an diesem Freitag ruft der Wolfsburger dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich stark zu machen. Wer es allein nicht schafft, kann sich beim Behindertenrat melden. „Wir versuchen zu helfen.“

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